Lage

Nordwestlich des Bahnhofs, in unmittelbarer Nachbarschaft des ehemaligen Jüterboger Truppenübungsplatzes liegt der Stadtteil Jüterbog II. Die, nördlich das Gebiet mehr oder minder abgrenzende, Umgehungsstraße hat eine überörtliche Hauptverbindungsfunktion für den Stadtteil über zu den Bundesstraßen B 101 und B 102. Straßenbegleitend verläuft die Fläming-Skate. Der Stadtteil Jüterbog II ist durch die Bahntrasse (ICE-Strecke) von der Kernstadt räumlich stark separiert. In die Kernstadt bestehen drei Wegebeziehungen: die Zufahrtsstraße der B 102, die Bahnhofsunterführung und die Millionenbrücke. Das Fördergebiet umfasst etwa 34 ha.

 

Ausgangssituation

Der Stadtteil Jüterbog II verdankt seine Gründung der 1890 vorgenommenen Verlegung der Artillerieschule von Berlin-Spandau nach Jüterbog. Nach 1945 zog sowjetisches Militär in die Anlage ein.

Nach dem Abzug der russischen Truppen im Jahr 1994, begann ein umfangreicher Konversionsprozess, wobei aufgrund der Größe der Konversionsflächen Jüterbogs nur von punktueller Bearbeitung gesprochen werden kann. Jüterbog II als eine der wenigen bebauten Flächen stellte mit der imposanten Bausubstanz Entwicklungschancen bereit.

Dennoch brach mit dem Abzug der russischen Armee (geschätzt: insgesamt bis zu 40.000 Soldaten) in Jüterbog das Sozialgefüge zusammen. Wo vormals mehrere Tausend Menschen lebten, verbleiben im Jahr 1994 knapp 100. Damit zerfielen auch die lokale Wirtschaft und der Nahversorgungsbereich. Einkaufsmöglichkeiten und kulturelle Angebote kann die Bevölkerung in Jüterbog II nur per ÖPNV bzw. mit dem eigenen Auto erreichen. Fußläufige Wegebeziehungen sind für viele Bevölkerungsgruppen unzumutbar. Ein Plus ist allerdings der direkte Anschluss an den bestehenden öffentlichen Personennahverkehr sowie den Regionalverkehr, mit Verbindungen in die Bundeshauptstadt Berlin und den Fernverkehr.

In Jüterbog II wurden in jüngerer Vergangenheit einige unter Denkmalschutz stehende Gebäude (ehemalige Kasernen) zu Wohnungen ausgebaut, es wurde Baurecht für ein Gewerbegebiet nördlich der Bülowstraße geschaffen und bestehende Wohngebäude saniert. Es erfolgten punktuell Rückbaumaßnahmen. Dennoch wird auch weiterhin das Stadtbild negativ durch Ruinen (zum großen Teil unter Denkmalschutz stehende Bausubstanz) und brachgefallene Flächen beeinflusst. Vereinzelt wurden auf ehemaligen Brachflächen Ein- und Mehrfamilienhäuser, wie in der Linden-, Garten- und Tauentzienstraße, errichtet. Im Stadtteil gibt es kaum zugängliche öffentliche Grünflächen bzw. private Grünflächen. 

Mit dem von 1997 bis 1999 erfolgten Ausbau der Bülowstraße als Umgehungsstraße für den LKW-Verkehr und der parallel begleitenden Fläming Skate ist die  verkehrstechnische Erschließung von Jüterbog II verbessert worden. Die im Stadtteil befindlichen Straßen sind allerdings in einem schlechten Ausbauzustand, welcher zum Teil gekennzeichnet ist durch fehlende Nebenanlagen wie Geh- und Radwege. Zusätzlich befinden sich die Stellplätze für den motorisierten Individualverkehr vor allem im öffentlichen Straßenraum. Soziale Einrichtungen sind im Stadtteil bis auf einen Jugendklub nicht vorhanden.

 

Bewohner

In den 1990er Jahren vollzog sich in Jüterbog II eine erstaunliche Bevölkerungsentwicklung aufgrund des Abzugs der russischen Armee und der Sanierung der Kasernen zu Wohnungen: Im Jahr 1992 lebten in Jüterbog II nur 98 Einwohner, doch im Jahr 1999 stieg die Bevölkerung bereits wieder auf über 1.000 Einwohner an. In den Folgejahren nahm die Bevölkerung zwar wieder ab, doch seit 2006 ist ein stetiger Anstieg zu verzeichnen. Derzeit hat Jüterbog II 1.092 Einwohner, was etwa 10% der gesamten Bevölkerung der Stadt Jüterbog (11.687 Einwohner) sind.

Die Instabilität des Wohnstandorts Jüterbog II zeigt sich am deutlichsten im Wanderungsverhalten. Im Quartier sind hohe Wanderungsverluste zu verzeichnen, insbesondere das Wanderungsvolumen und die Umzüge innerhalb der Stadtgrenzen sind in Jüterbog II wesentlich höher als im Vergleich zur Gesamtstadt.

In 1999 hat sich die Freie evangelisch christliche Gemeinde im Stadtteil eine Kirche gebaut. Die mennonitische Gemeinde betreut vor allem wiederkehrende Russland-Deutsche in Jüterbog II. Die Zahl der Bürger mit doppelter Staatsbürgerschaft nimmt auch aus diesem Grund zu.

 

 

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